Trans Pyrenees Race – 824 Kilometer von Küste zu Küste

Cañón de Añisclo in den Pyrenäen während des Trans Pyrenees Race No.6

824 Kilometer, rund 14’500 Höhenmeter und vier Tage auf dem Fahrrad. Das war mein Trans Pyrenees Race 2026. Eigentlich hätte das Abenteuer noch deutlich weitergehen sollen – rund 1’800 Kilometer quer durch die Pyrenäen und wieder zurück nach Girona. Doch manchmal läuft ein Ultra-Abenteuer anders als geplant. Und genau das gehört wohl genauso dazu.

Cañón de Añisclo in den Pyrenäen während des Trans Pyrenees Race No.6
Cañón de Añisclo · © TPRn06

Von Girona ans Mittelmeer

Gestartet wurde frühmorgens mitten in Girona. Das Fahrrad voll bepackt, die Beine frisch und im Kopf diese leicht absurde Vorstellung, in den nächsten Tagen praktisch nichts anderes zu machen als fahren, essen, schlafen und wieder fahren.

Bereits der erste Tag hatte es in sich: knapp 300 Kilometer und über 5’000 Höhenmeter. Von Girona führte die Strecke zuerst Richtung Costa Brava und danach immer weiter hinein in die Pyrenäen.

Fahrer auf Parcours B des Trans Pyrenees Race No.6 in den Pyrenäen
Parcours B · © TPRn06

Das Spannende an solchen Rennen ist, dass die Uhr nie wirklich stoppt. Wann man schläft, wo man isst und wie lange man Pause macht, entscheidet jeder selbst. Es gibt vorgegebene Parcours und Kontrollpunkte, dazwischen darf die Route teilweise selbst gewählt werden. Genau das macht für mich den Reiz aus.

Berglandschaft auf Parcours B des Trans Pyrenees Race No.6
Parcours B · © TPRn06

Schlafen. Essen. Weiterfahren.

Tag zwei begann früh am Morgen. Sonnenaufgang, kaum Verkehr und direkt wieder bergauf. Einer dieser Momente, für die man solche Abenteuer macht.

Fahrer auf einer Bergstrasse bei Cap 049 auf Parcours B des Trans Pyrenees Race No.6
Parcours B, Cap 049 · © TPRn06

Die Landschaft wurde immer eindrücklicher, die Berge höher und die Distanzen irgendwann fast nebensächlich. 50 Kilometer? Kurz. 100 Kilometer? Geht noch. Irgendwann denkt man nur noch von Bäckerei zu Bäckerei, von Pass zu Pass und von einer Wasserflasche zur nächsten.

Berglandschaft am Col du Soudet während des Trans Pyrenees Race No.6
Col du Soudet · © TPRn06

Einer der stärksten Momente kam mitten in der Nacht. Eine Passüberquerung auf über 2’000 Metern über Meer – Dunkelheit, Ruhe, kaum Menschen und irgendwo mitten in den Pyrenäen nur das Licht am Fahrrad vor mir. Genau solche Situationen bleiben hängen.

Mond über der Berglandschaft bei Castejón de Sos während des Trans Pyrenees Race No.6
Castejón de Sos · © TPRn06
Bergstrasse am Col de Pailhères während des Trans Pyrenees Race No.6
Col de Pailhères · © TPRn06

Der Körper entscheidet irgendwann mit

Nach zwei Tagen standen bereits über 500 Kilometer und mehr als 10’000 Höhenmeter auf dem Tacho. An Tag drei kamen nochmals rund 230 Kilometer dazu. Die Beine funktionierten weiterhin erstaunlich gut. Aber langsam meldeten sich andere Stellen: Rücken, Hände und Sitzfläche.

Bergstrasse bei Bagargi auf dem Trans Pyrenees Race No.6
Bagargi, Cap 138 · © TPRn06

Gerade bei einem Ultra-Rennen merkt man schnell, dass nicht unbedingt die Kondition entscheidet. Viel wichtiger kann sein, ob das Fahrrad wirklich perfekt passt, ob die Hose nach zwölf Stunden noch funktioniert und ob Hände, Nacken und Rücken die Position über Tage aushalten.

Mein neues Cervélo Áspero-5 war schnell, komfortabel und grundsätzlich genau das richtige Fahrrad. Trotzdem hatte ich es vor dem Rennen schlicht zu wenig lange unter echten Ultra-Bedingungen getestet. Das grösste Learning daraus: Bikefitting ist bei solchen Distanzen keine Detailfrage, sondern ein zentraler Teil der Vorbereitung.

Von Küste zu Küste

Nach rund dreieinhalb Tagen kam ich in Saint-Jean-Pied-de-Port an. Dort stand die Entscheidung an: nochmals durch die Berge und weiter dem offiziellen Kurs folgen – oder auf den Körper hören.

Fahrer auf der Imperial Road am vierten Tag des Trans Pyrenees Race No.6
Imperial Road, Day 4 · © TPRn06

Ich entschied mich für Letzteres. Statt nochmals einen schweren Parcours über die Pyrenäen zu fahren, nahm ich eine direktere Route Richtung Atlantik. Über Espelette, das französische Baskenland und weiter Richtung San Sebastián und Orio.

Berglandschaft bei Iraty während des Trans Pyrenees Race No.6
Iraty · © TPRn06

Und irgendwann kam diese Erkenntnis: Ich war gerade mit dem Fahrrad vom Mittelmeer bis zum Atlantik gefahren. Von der Costa Brava bis an die baskische Küste. Über die Pyrenäen. In dreieinhalb Tagen.

Plötzlich fühlte sich das vermeintliche „Aufgeben“ ziemlich anders an. In Orio war dann endgültig Schluss mit dem Rennen. Scratch. Tracker abmelden. Pizza. Alkoholfreies Bier. Hotel. Und zunächst auch etwas Leere.

Vier Tage San Sebastián statt vier weitere Tage Pyrenäen

Danach folgte mein persönliches Alternativprogramm: San Sebastián. Vier Tage essen, schlafen, Wäsche waschen, Kaffee trinken, Leute treffen und langsam wieder zurück ins normale Leben kommen. Irgendwann sass ich wieder auf dem Fahrrad – diesmal ohne Zeitdruck und ohne Kontrollpunkt vor Augen.

Und genau dort wurde mir bewusst, wie viel ich aus diesem Rennen mitgenommen hatte. Ich habe das Trans Pyrenees Race nicht beendet. Aber ich bin 824 Kilometer und rund 14’500 Höhenmeter gefahren, habe die Pyrenäen überquert und bin von Küste zu Küste gekommen.

Vor allem habe ich gelernt, was ich beim nächsten Ultra anders machen würde: mehr Zeit ins Bikefitting investieren, Material und Kleidung auf richtig langen Fahrten testen und früher auf kleine Warnzeichen reagieren.

Denn eines ist sicher: Das war nicht mein letztes Ultra-Abenteuer. 😉🚴‍♂️🏔️

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